Topfschnitt: Die Rückkehr eines Kultbildes
01.07.2025In den letzten Jahren ist der Topfschnitt wieder stark in Mode gekommen. Vor nicht allzu langer Zeit sorgte er nur für ein Lächeln oder Kindheitserinnerungen, doch heute ist er ein echter Trend in Wiener Barbershops und auf der ganzen Welt. Dieser einzigartige Stil erobert dank seiner Schlichtheit, Effektivität und Experimentierfreude wieder die Herzen.
Entstehungsgeschichte: Von der bäuerlichen Tradition zur Weltmode
Der Topfschnitt hat tiefe historische Wurzeln, insbesondere in der ukrainischen Kultur. Seine Schlichtheit war kein Zufall – er entstand als praktische Lösung im bäuerlichen Leben. Um Haare schnell und gleichmäßig zu schneiden, stellte man in der Antike einen gewöhnlichen Tontopf auf den Kopf. Alles, was über den Rand hinausragte, wurde mit einer Schere oder einem Messer abgeschnitten. So entstand eine klare, kreisförmige Linie – eine Art „Haarkappe“. Das sparte Zeit, sparte Friseurkosten und sorgte gleichzeitig für ein gepflegtes Erscheinungsbild.
Diese Methode verbreitete sich so sehr, dass sie zu einer typischen Bauernfrisur wurde. Ihre Einfachheit wurde mit dem Leben der einfachen Leute in Verbindung gebracht: Der Haarschnitt erforderte keine besonderen Fähigkeiten oder Werkzeuge. Später entstand eine gepflegtere und strukturiertere Variante – der sogenannte „Under the Bow“-Haarschnitt, bei dem Pony und Seitenpartien kürzer waren, was das Bild weniger massiv und etwas ästhetischer machte.
Im Russischen Reich wurden solche Frisuren zum Erkennungszeichen der unteren Bevölkerungsschichten. Sie blieben aufgrund ihrer geringen Kosten und Zweckmäßigkeit beliebt – insbesondere bei Bauern, Arbeitern und Kindern. Vor diesem Hintergrund tauchten solche Haarschnitte in der städtischen Modewelt selten auf und wurden lange Zeit nicht ernst genommen.
Doch auch außerhalb Osteuropas hat sich diese Form etabliert. In Westeuropa, den USA und Asien wurde sie aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit einer Schüssel oder einem Pilzkopf als Topfschnitt oder Pilzkopfschnitt bezeichnet. Im 20. Jahrhundert wurde der Topfschnitt durch bestimmte musikalische und kulturelle Phänomene populär – so trug beispielsweise die legendäre Band The Beatles zu Beginn ihrer Karriere eine Pilzkopf-Variante, die in vielerlei Hinsicht der klassischen „Unter dem Topf“-Form ähnelte, jedoch weichere Linien aufwies.
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Moderne Technik: Ein Klassiker in neuer Version
Die moderne Version des „Topf“-Haarschnitts ist eine gelungene Kombination aus Retro-Ästhetik und aktuellen Trends. Das Hauptmerkmal ist die gleichmäßige Länge über den gesamten Kopf mit dickem Pony, der dem Look Klarheit und Kühnheit verleiht.
Die Ausführung erfolgt in mehreren Schritten:
- Die Wahl der Länge richtet sich nach dem Haartyp: Für dünnes Haar ist eine kürzere Variante besser, für dickes Haar ist eine längere Länge akzeptabel.
- Nacken und Schläfen mit Schere oder Trimmer formen – für eine saubere, gleichmäßige Kontur;
- Das Haar am Oberkopf kreisförmig kämmen und gleichmäßig trimmen oder leicht ausdünnen – für weichere Linien;
- Mögliche Variationen: mehrschichtiger, voluminöser „Cap“ mit rasierten Seiten, Fade für einen sanften Übergang, Färben des Oberkopfes in leuchtenden Farben.
Mit dieser Technik lässt sich der Haarschnitt an jeden Gesichtstyp und Lebensstil anpassen und ist somit universell für Teenager und Erwachsene.
Alternativen: Variationen zum „Potty“-Thema
Für alle, denen die klassische Variante zu radikal ist, gibt es alternative Frisuren, die von der gleichen Form inspiriert sind, aber weichere Linien und modernere Ansätze für Textur und Volumen aufweisen.
Eine solche Option ist der Pilzkopf – der berühmte Haarschnitt der Beatles. Er zeichnet sich durch längere Strähnen und sanfte Übergänge aus und sorgt für einen romantischen und dennoch gepflegten Look. Eine weitere beliebte Alternative ist der Kurzhaarschnitt. Dabei werden rasierte Schläfen mit einem voluminösen Oberkopf und einer klaren Kontur kombiniert, was dem Gesicht Ausdruck und Struktur verleiht.
Beide Stile lassen sich an unterschiedliche Haarstrukturen und individuelle Vorlieben anpassen, ohne dabei weit von der „Topf“-Ästhetik abzuweichen.
Fazit
Der Topfschnitt ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Geschichte in die Mode zurückkehrt. Von der bäuerlichen Zweckmäßigkeit bis hin zu den Laufstegen hat er einen langen Weg der Transformation hinter sich und ist wieder einmal zum Symbol für mutigen Stil geworden. Dank seiner Form, Variabilität und Ausdruckskraft unterstreicht diese Frisur Individualität und ist gleichzeitig alltagstauglich. Wenn Sie etwas Frisches mit tiefen Haarwurzeln suchen, ist der Topfschnitt definitiv eine Überlegung wert.